06.12.2019 - 09.02.2020 Zentralschweizer Kunstschaffen, Kunstmuseum Luzern 

Ich sprach von Eseln und Hasen, und eine Freundin meinte: "Es gibt ihn,- den Eselhasen." 



"Nothing but a Hound Dog", Masterabschlussarbeit in der alten Papierfabrik in Cham, Sommer 2019


Nothing but a Hound Dog

Für die Masterabschlussausstellung (Gesamtausstellungstitel: „Schichtwechsel“) hat sich unsere Klasse für die Räumlichkeiten der alten Papierfabrik in Cham entschieden. Ich bespielte den ganzen oberen Stock des ehemaligen Portierhäuschens. In meiner künstlerischen Arbeit habe ich den ehemaligen ältlichen Wohnraum mit meinen Gemälden bespielt und ausgekleidet. Die Betrachtenden waren von Gemälden umgeben und konnten in eine Traumwelt eintauchen. Der obere Stock des Portierhauses hatte auf mich die Wirkung einer alten Dachkammer. Früher schon haben sich Künstler/innen in Dachkammern zurückgezogen. Der Rückzug bzw. das Eintauchen in eigene Traum -  oder Innenwelten, ist aber in meiner Arbeit nicht im Sinne einer Weltflucht gedacht, sondern um sich anschliessend neu mit der Wirklichkeit zu verbinden. In einer Welt, die immer schneller und hektischer zu werden scheint, sehnt sich der Mensch nach Rückzugsorten. 

 

Die Bilder sind als Versatzstücke zu lesen, die an der Ausstellung selbst zu einem neuen Ganzen - zu einem Environment - zusammengeführt werden. Das heisst, die Bilder stehen nicht für sich selbst, sondern sollten im Kontext ihres Umfeldes gelesen werden. Durch die Zusammenstellung, die wie eine Collage funktioniert, lassen sich neue Bezüge herstellen und auch Brüche ablesen. Es sind Schichten hinter Schichten - oder um den Titel der Gesamtausstellung aufzunehmen - „Schichtwechsel“. Gegensätze werden miteinander konfrontiert, so zum Beispiel Populär - und Alltagskultur mit Hochkultur, aber auch Wohnsituationen. Zum einen die Portierwohnung, die eine eigene Geschichte mit sich bringt und schon diverse Wohnepochen miterlebt hat - zum anderen das Motiv Interieur in den Bildern, die von einem modernen Wohnstil in Kombination mit älteren Möbeln geprägt sind. 

 

Ein getreues Abbild von Wohnraum war nicht meine Absicht. Ebenso wenig die Herunterbrechung auf die Thematik des Interieurs. Es ging hauptsächlich um den malerischen Prozess, der eine Eigendynamik entwickeln durfte - eine Abgleitung in eine fiktive Traumwelt. 

 

Einige Bilder stammten aus dem Privatfundus, so zum Beispiel das von mir kopierte Gemälde „der Nachtmahr“ von Johann Heinrich Füssli. Traum, Alptraum, Fiktion, Realität, unheimliches und heimeliges, Gegensätze - die Übergänge sind fliessend. 

 

 

Die Tierbilder stammen wiederum aus modernen öffentlichen sozialen Plattformen wie Facebook oder Instagram und fliessen in den privaten Wohnraum ein. Sie wurden von mir und meinem Partner im Internet, wie von einem Jagdhund (dem Hound Dog) gejagt. Wir schicken uns diese Tierbilder gegenseitig per WhatsApp zu, - gemeint als kleiner Tagesgruss und um den anderen zum schmunzeln zu bringen. Auch die «Schemeli» sind aus digitalen Plattformen wie Tutti.ch oder Ricardo „gejagt“. Die Tiere auf den "Schemelis" sind bewusst in einem "naiven" Stil gemalt. 

„Nothing but a hounddog“

 

"Rahel-Maria Scheurer hat sich mit ihrer Arbeit «Nothing but a Hound Dog» im Dachstock des ehemaligen Pförtnerhauses in der ehemaligen Papierfabrik in Cham eingenistet und diesen mit ihrer Kunst besetzt, gefüllt und ausgemalt. Ihre Malerei überzieht die Wände in mehreren Schichten, sie malt auf Stoffen, aber auch auf Gegenständen wie Lampen und Schemel. Diese kauft sie auf Ricardo oder Tutti zusammen und bemalt sie ebenso wie die Flächen. «Das Prinzip ihrer Malerei heisst Collage und Patchwork, und mit dieser gekonnten, vielschichtigen, malerischen Installation erzeugt sie eine dichte Atmosphäre, in die man eintauchen kann», so Stefan Schulz, Präsident der Max von Moos-Stiftung. «Die Motive – der Jagdhund beispielsweise, der der Arbeit auch den Titel gibt, taucht mal auf der Lampe, mal im Wandbild, mal auf der Bluse der Künstlerin auf. Die vielen Tiermotive kommen aus den einschlägigen Social Media Kanälen, man erkennt Grumpy Cat oder lustige Hasen, und es wird einem klar, Malerei heute hat auch mit der digitalen Transformation zu tun und nicht nur mit Kunstgeschichte. Das grosse Thema der Arbeit «Nothing but a Hound Dog» von Rahel-Maria Scheurer ist nämlich die Verbindung von Leben und Kunst. Als gelernte Theatermalerin fällt es ihr leicht, Räume auszumalen. Wie sie aber sich und ihr Leben, ihre Partnerschaft, Existenz und Einmaligkeit in ihre Kunst hineinmalt, das ist äusserst komplex und sinnlich zugleich. Max von Moos hätte seine Freude an dieser existentialistischen Malerei gehabt, weil diese das Pförtnerhaus in Cham mit Emotionen und Stil, Symbol und Material in eine begehbare Künstlerinnenwelt der Gegenwart verwandelt." (Text aus der Webseite der Hochschule, Laudatio von Stefan. G. Schulz, Präsident der Max von Moos Stiftung)